Das Kürbiskind

Es war einmal eine arme Frau, die wünschte sich nichts sehnlicher als ein Kind. Allah hatte ihr vor vielen Jahren ihren Mann genommen. Wie sollte es also gehen? Ihren Lebensunterhalt verdiente die Frau mit dem Verkauf von Kürbissen. Und so geschah es eines schönen Tages, dass ein Sonnenstrahl auf einen Kürbis traf und dieser wie durch ein Wunder zum Leben erwachte. Die Frau glaubte ihren Augen kaum, aber ihre Freude war so gross, dass sie schnell aufhörte sich zu wundern. Sie kümmerte sich liebevoll um das muntere Kürbiskind, wiegte es wie ihr eigenes, badete es, spielte mit ihm und legt es in sein eigenes Bettchen. Das Kürbiskind wuchs Tag für Tag. Es begleitete seine Ziehmutter auf den Markt, wo die Frau weiterhin Kürbisse verkaufte. Viele Kunden wollten diesen wunderschönen Kürbis kaufen, aber was sie auch boten, die Frau behielt ihr Kürbiskind für sich.

Als die Zeit gekommen war, dass das Kind in die Schule gehen musste, brachte die Frau es zu einer Schule, die am Rande des Gartens des Sultans lag. Den Kindern der Schule war es erlaubt, dort ihre Pausen zu verbringen und zu spielen. Da die anderen Kinder das Kürbiskind hänselten und verlachten, ging es ihnen bald aus dem Weg und suchte die versteckten Ecken des Gartens auf. Und nur wenn es sich vollkommen unentdeckt glaubte, entstieg dem Kürbis ein schönes Mädchen. Es ging durch den Garten, erfreute sich an den Blumen und verwandelte sich wieder in einen Kürbis, bevor es zurück zur Schule ging.

Eines Tages beobachtete der Sohn des Sultans von seinem Balkon die Verwandlung. Auf der Stelle entbrannte sein Herz in Liebe zu diesem schönen Mädchen. Unbedingt wollte er es wiedersehen, aber das Mädchen hatte wieder die Gestalt eines Kürbisses angenommen und blieb unauffindbar. Er schickte all seine Diener aus, aber niemand konnte das Mädchen finden. Als er schon fast alle Hoffnungen aufgegeben hatte, brachte ein Diener einen wunderschönen grossen Kürbis in den Palast, den er im Garten gefunden hatte. Er gab ihn dem Koch, damit dieser eine gute Suppe für den Sultan daraus kochen möge. Aber noch ehe der Koch das Messer ansetzen konnte, machte der Kürbis einen Satz und eine Jagd durch den Palast begann. Der Sohn des Sultans hörte den Tumult und trat hinaus in die Halle. Kaum erblickte er den Kürbis endete die Jagd. Der Kürbis rollte vor seine Füsse und das schöne Mädchen stieg heraus. Voller Glück führte der junge Sultan das Mädchen in seinen Palast und schon bald wurde Hochzeit gehalten. Es gab ein rauschendes Fest und auch die Mutter der Braut fand ihren Platz am Hofe des Sultans. Dort leb-ten sie nun glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Märchen aus Bulgarien
Veröffentlicht in der Parabla 03-2018