Manchmal schlagen auch Worte Wurzeln

Es war einmal ein König, der hatte ein kleines Horn an seinem Kopf. Das hielt er ganz geheim, aber wie sollte er es auch vor seinem Haarschneider geheim halten? Jedes Mal jedoch, wenn der kam, um ihm die Haare zu schneiden, bedrohte der König ihn, er dürfe es niemanden sagen, das würde ihn den Kopf kosten.

Niemand anders wusste es ausser dem Haarschneider des Königs. Der Haarschneider konnte das Geheimnis nicht bei sich behalten, aber wiederum hatte er auch Angst. Was sollte er machen? Wo sollte er es sagen? Er ging an einen Brunnen, beugte sich über ihn und rief mit aller Kraft: «Der König hat ein Horn!»

Nach einiger Zeit trocknete der Brunnen aus, und es wuchs Rohr darin. Das Rohr wurde höher und eines Tages kam ein Hirt vorüber, schnitt ein Rohr und machte sich eine Schalmei und spielte darauf. Aber die Schalmei machte: «Bi, bi, der König hat ein Horn, der König hat ein Horn!»

Das hörte der eine, das hörte der andere, das erfuhr das ganze Land, und es kam auch zu den Ohren des Königs.

Der König lässt den Haarschneider kommen. «Wem hast du dies Wort gesagt?», fragte er ihn.

Der unglückliche Haarschneider schwur, dass er es niemanden gesagt habe. «Nur einmal», sagte er, «konnte ich es nicht mehr aushalten und ging hin und sagte es in den Brunnen hinein.»

Der Hirt wurde gerufen und er bezeugte, dass er die Schalmei aus einem Rohr geschnitten habe, das in jenem Brunnen gewachsen sei. So wurde es offenbar, dass manchmal auch Worte Wurzeln schlagen.


Volksmärchen aus Griechenland
Parabla 2018-01