Seminarreihe 2016: Märchen und Humor

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"Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König!" so fing die Seminarreihe an ...

Ich freute mich über den klangvollen und heiteren Start. Die stets fundiert und spannend referierende Barbara Gobrecht und Paul Strahm als Erzähler, brachten uns am ersten Seminartag, unter anderem, den Unterschied wie auch die Gemeinsamkeiten von Schwank und Witz näher. Abwechselnd von der wissenschaftlichen, dann von der geschichtlichen und schliesslich von der zeitgenössischen Seite. Mit lustigen, witzigen und für Lockerheit sorgenden Komponenten. Wer kennt die einleuchtende Geschichte der Dreimontagskinder? 3 Monate ist er verheiratet, 3 Monate sie, das Kind ist drei Monate alt, was ein Total von 9 Monaten ergibt - folglich sind 3-Monatskinder zeitgenau geboren (smiley). Logisch!

Die Schwänke durften an diesem Tag deftig, lieblich, kindlich, überraschend gehört werden. Die Brüder Grimm wandelten die eher knapp erzählten Pointen in ausgeschmückte, ausschweifende Geschichten, die für märchengewohnte Ohren "feiner" klingen.

Gidon Horowitz führte uns am zweiten Tag zu den jüdischen Gegenheiten und Geschichte und zum Sinn manch einer Redewendung. "Auge um Auge" bedeutet nicht, dass dem Verursacher ebenfalls ein Auge ausgestochen werden sollte, sondern dass er Ersatz bieten soll für das verlorene Auge. Ein wesentlicher Unterschied zum gängig Interpretierten.

In den innig erzählten Geschichten ist List eine wiederholte Taktik, mit welcher sich der Held der Geschichten einen Vorteril verschafft, oder versucht, sich einen zu verschaffen. So auch in den Geschichten der Verfolgten dieses Volkes, die mit Kreativität und Galgenhumor ihr Leben retteten. Narren und Weise sind oft nahe beieinander, wobei in der jüdischen Kultur ein Narr nicht gleich ein Narr ist. Es gibt Bezeichnungen für unterschiedliche Typen, wie z.B. für jenen in der Geschichte vom Rabbi, der unablässig gefragt wurde, ob Gott einen Stein von 100, 1000, 1'000'000 Tonnen, oder vom Gewicht der Erde heben könnte, wurde nach x-facher Bejahung schon leicht ungeduldig, da fragt der Neugierie: "Und kann Gott einen Stein machen, so gross, dass er ihn nicht heben kann?" Ach und da war noch die Geschichte vom Manter, mit der darin versteckten Rente ... und jene vom Schlemihl der nach Warschau ging ... und ... und .... Gidon, die wandelnde Geschichten-Schatztruhe!

Der dritte Tag war für mich der Ungewohnteste, wurde er doch von einer Clownin, Rahel Steger, begleitet von der Mitorganisatorin und Märchenerzählerin Sibylle Amrein, gestaltet. Gespannt reiste ich an und freudig genährt wieder ab: was Humor ist, versuchten wir im Plenum zu definieren, natürlich nicht abschliessend, da die Facetten dieses Gefühls unendlich sind und sich situativ unterschiedlich äussern.
Wie locker und doch professionell erarbeitet die einfachsten Szenen präsentiert werden können, durften wir, verteilt über den Tag immer wieder erleben: vom Unterschied der derben Sprache auf dem Land, zum gepflegteren Ausdruck in der Stadt, vom Witz im Nichtstun, zum übertriebenen Parodieren, alles wurde uns geboten und zu Einigem truen wir Teilnehmer unfreiwillig bei ... Ein Grinsen stellt sich sogleich ein, in der Erinnerung an manche Sequenz. Danke allen Beteiligten.

Eine gelungene Seminarreihe, die jedoch nicht vollständig wäre, wenn nicht der vierte Tag über List und Lust in den orientalischen Märchen sich dazu gesellen würde, der unvorhergesehen von den Organisatorinnen geleitet wurde ...
... und für alle Teilnehmende eine neue Erfahrung war. Bereichert wurde das aktive Programm mit den listreichen, orientalischen Geschichten, die für die meisten unbekannt waren. Inge von der Crone hatte sie aus dem französischen übersetzt und sie zum Geniessen schön auf Deutsch erzählt.

Text: Jasmin Hophan
Fotos: Alice Spinnler