Sagen am Tatort Aarau (August 2015)

Aarau_01.JPG Aarau_02.JPG Aarau_03.JPG
Aarau_04.JPG Aarau_06.JPG Aarau_07.JPG
Aarau_09.JPG Aarau_10.JPG Aarau_11.JPG
Aarau_12.JPG Aarau_13.JPG Aarau_13A.JPG
Aarau_14.JPG Aarau_15.JPG Aarau_16.JPG
Aarau_17.JPG Aarau_18.JPG Aarau_19.JPG
Aarau_20.JPG Aarau_21.JPG Aarau_22.JPG
Aarau_23.JPG Aarau_24.JPG Aarau_25.JPG
Aarau_26.JPG Aarau_27.JPG Aarau_28.JPG
Aarau_29.JPG Aarau_30.JPG Aarau_31.JPG
Aarau_32.JPG Aarau_33.JPG Aarau_34.JPG
Aarau_35.JPG Aarau_36.JPG Aarau_37.JPG
Aarau_38.JPG Aarau_39.JPG Aarau_40.JPG
Aarau_41.JPG Aarau_42.JPG Aarau_43.JPG

 

 

Drachenfels und Goldschatz

Nach der Stärkung mit Kaffi und Gipfeli in der Cafeteria des Naturama wurden wir von Frau Franziska Graf-Bruppacher, Stadträtin in Aarau für das Ressort Bildung und Jugend, begrüsst. Sie erzählte, dass ihre Mutter ihr und ihren beiden Geschwistern gerne selbsterfundene Geschichten  von drei  Zwergen erzählte, in denen sie Ereignisse aus dem Familienalltag aufnahm und kommentierte. Aus diesem Grunde liegen ihr Märchen am Herzen.

Danach verführten uns Iris Meyer und Annemarie Euler in das Aargauische Sagenreich mit der Sage vom Hans, der sich anfangs nicht gegen die Räuber wehrte, obwohl sie ihm eine anständige Tracht Prügel verpassten. Erst als er um sein Leben fürchten musste, setzte er sich zur Wehr und schlug die Räuber nieder. 

Nach kräftigem Applaus erzählte Herr Raoul Richner, der Stadtarchivar von Aarau, über die Entstehung von Aarau auf einem Felskopf, gut gesichert durch drei Gräben, in denen aber kein Wasser floss, sondern Hirsche gehalten wurden. Bei Bedarf wurden diese an edle Menschen ganz oder stückweise verschenkt. Der Nordturm ist der höchste Befestigungsturm, nicht nur von Aarau, sondern der ganzen Schweiz. Die Stadt wurde ringweise vergrössert, was wir beim Rundgang am Nachmittag gut beobachten konnten. Auch vom Stadtbach, in den die Kinder an diesem wunderschönen, aber heissen  Tag ihre Füsse tauchten – neidisch schauten wir ihrem fröhlichen Geplansche zu -, hörten wir Interessantes. Der Stadtbach wurde eigens für die Wasserzufuhr der Stadt erstellt und plätschert heute noch in den Strassen. Die Stadt war auch die Heimat von Geschichtenerzählern, wie Heinrich Wirri  oder Daniel Egglin. Ersterer war Schauspieler,  der andere Apotheker und als solcher reiste er nach Jerusalem und berichtete in einem Buch über diese ungewöhnliche Reise. Der berühmteste Aarauer aber war Johann Rudolf Meyer oder „Vater Meyer“, der grosse Seidenbandfabrikant. Bestimmt zog er auch die Fäden als Aarau 1798 für einige Monate Hauptstadt der Schweiz mit eigenem Regierungsviertel wurde. Ja und da gibt es natürlich noch einen weiteren berühmten Schüler Aaraus, nämlich Albert Einstein.  

An der Stadt wurde seit damals viel um-,  aus- und neugebaut wie auch der Bahnhof 2010. Im Zuge der Bauarbeiten wurde der Eingang zum Meyerstollen freigelegt, wo wir von Daniel Sidler erwartet wurden. Im Bahnhof tat sich - Sesam öffne dich – eine Tür in der Wand auf. Wir stiegen  37 Stufen in die Tiefe und nach zwei weiteren Türen waren wir im warmen Stollen. Dieser wurde von Meyer Sohn angelegt, um immer frisches Wasser für die Fabrik zu haben. 

In Aarau gibt es auch sonst noch immer irgendwo Löcher, weiss Iris Meyer zu erzählen. In einer Sage über den Hausberg Wasserfluh, der ganz durchlöchert ist, wird berichtet, dass einmal einer, der durch eines dieser Löcher ging, erst  in Amerika wieder herauskam. Neben dem Berg befindet sich auch ein tiefer Graben im Wald. Falls sich ein Falschmünzer dort versteckt, so spuckt ihn der Graben nach einiger Zeit wieder aus. Ist es da nicht einmerkwürdiger Zufall, dass der Sohn von Meyer im Ausland als Falschmünzer eingekerkert wurde? 

Nach dem spannenden Vortrag über den Stollen und den Sagen tauchten wir in Gruppen mit Helm und Umhang in den Stollen hinab, wo wir die feuchte Luft einatmeten  und die Enge des Stollens zu spüren bekamen. Wieder oben am Tageslicht spazierten wir gemütlich durch das Stadttor in die Altstadt mit ihren farbigen Giebeln zum Restaurant Laterne, wo uns ein feines Zmittag erwartete und natürlich eine Rüeblitorte. Dort erzählte uns Annemarie Euler von der Reise des Papstes von Brugg nach Zofingen mit Zwischenhalt in Lenzburg, Aarau, Aarburg und Olten. Und in jedem Ort wurde ihm eine aussergewöhnliche Speise vorgesetzt wie Kirschensuppe, Räbepappe oder Froschbraten, die der Papst immer mit demselben Satz stehen liess: „Danke vielmals ihr lieben Leute für den schönen Empfang, doch in der vorigen Stadt wurde ich so reichlich bewirtet, dass ich nichts mehr essen kann.“

Nun, wir hingegen waren gestärkt für den Rundgang durch Aarau. Reinhard Mundwiler,  in der Tracht des Stadtweibels, führte uns herum. Da begegneten wir den Gebäuden, von denen uns Raoul Richner erzählt hatte und das Gehörte wurde lebendig. Es ist wirklich die Stadt der schönen Giebel oder wie der neue Slogan sagt:“ Aarau verdreht den Kopf“. Wir bestaunten den Obertorturm, indem sich zuunterst das Hexenloch befindet und zuoberst ein bespielbares Glockenspiel, sowie in der Kirche die Glasfenster von Felix Hoffmann. Wir gelangten durch eine Pforte in ein schmales Gässchen. Solche Gässchen, Ehgraben gegnannt, wurden früher jeweils zwischen zwei Häuserzeilen als Entsorgungsgraben für  alles menschliche, tierische und vegetarische angelegt. Wir genossen dann die Aussicht auf die zwei Hausberge Giesslifluh und Wasserfluh, die einander die Nase zustrecken. Hier erzählte uns Iris Meyer über das Guelisheer, das man scheinbar noch heute hören könne. Und wenn man es hört, gibt es ein gesegnetes Jahr. Im Spiegelgarten mit dem geheimnisvollen Tor, das einmal das Tor der Kirche war,  das man aber nach dem Umbau einfach hierhin platzierte, erzählte uns Annemarie Euler die Sage über das Haldetier, welches scheinbar hinter dem Tor haust. Weiter ging es runter zur Halde. Hier erzählte uns Iris Meyer die älteste Sage Aaraus, nämlich jene über den Turm Rohre. Die Stadt hiess damals Rohre und wurde von den Hunnen überfallen. Gadan, das Oberhaupt der Stadt, liess alles Gold im Wassergraben vergraben und liess den Graben fluten mit all den Stadtbewohnern drin. Er wurde gefangen und gefoltert, sagte aber nicht, wo sich das Gold befand, auch bis zum Tode nicht. Weiter ging es bei einem Mühlerad vorbei hinauf zur Kantonsschule von Alfred Einstein. Hier verabschiedete uns Marianne und Iris mit der Schlössli Sage vom einfältigen Gesellen, der zum Schluss doch schlauer als seine Freunde war.

Ein gelungener Tag an einem geschichtsträchtigen Ort mit Sagen im Ohr. Mit vollem Bauche und Herzen machten wir uns auf den Nachhauseweg. Bestimmt kommt die eine oder der andere wieder zurück, denn es hat Lust auf mehr geweckt.